Eröffnung Dorfladen Michelwinnaden

Jetzt wird es spannend, kurz nach sechs Uhr kommt die Lieferung vom Bäcker im Dorfladen an, Joachim Gresse kontrolliert den Lieferschein,
die Verkäuferinnen sortieren ein, wo soll was hin? Reicht es? Ist es zu viel? Alles Fragen, die erst nach den nächsten Stunden beantwortet werden können.
Am Geländer vor der Tür ein rot-weißes Absperrband, die Vorstände Martina Nunnenmacher und Joachim Gresser und Aufsichtsratsvorsitzender
Frieder Skowronski stehen bereit, um den ersten Kunden des neuen Dorfladens Michelwinnaden willkommen zu heißen.
Für Adrian Riek wird das Band durchschnitten und er darf zu seinen Einkäufen, als kleines Präsent, ein Glas Honig aus Michelwinnadener 
Produktion mit nach Hause nehmen. Dann geht es Schlag auf Schlag und man sieht sowohl bei den Kunden wie bei den Verkäuferinnen
und den Verantwortlichen fröhliche Gesichter. Das Angebot und die Einrichtung werden vielbestaunt, vielgelobt, die von Doris Gresseer gekonnt und liebevoll
gestalteten Einkaufstaschen mit dem Logo des Dorfladens sind der Renner und um 12 Uhr ist gerade noch eine übrig. Die Kaffee-Ecke ist
immer belegt und manchen sieht man sogar zweimal, weil noch was gefehlt hat, was dank der fußläufigen Entfernung zum Laden  kein Problem mehr ist.
Um ein Uhr dann der erste Ladenschluss und alle sind zufrieden, erfreulich wenig gibt es noch  in den Kühlraum zu bringen, umso mehr muss nachbestellt
werden, die Zeit drängt, damit die Ware auch mit der nächsten Lieferung mitkommt, also noch kein Wochenende für Joachim Gresser, der
die Bestellungeen im Laufe des Sonntags weitergeben wird, damit man  dann bei der offiziellen Eröffnungsfeier am 25.3. sagen kann: Der Laden läuft!
 
Bilder dazu finden Sie in der Galerie

Formular beteiligungserklärung

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Dorfladen Michelwinnaden Genossenschaft i. G.

Unser Dorf Michelwinnaden, der mit 660 Einwohnern kleinste Teilort der Stadt Bad Waldsee, liegt an der nördlichen Kreisgrenze des Landkreises Ravensburg und wird von der Kreis-straße K 8034 in Richtung Aulendorf sowie der B 30 und durch die K 756 in Richtung Bad Waldsee und Ingoldingen erschlossen.

Eingebettet zwischen den Riedgebieten des wilden Rieds, dem Bannwald und dem Hagnau-ried liegt das Dorfzentrum auf einem Endmoränenhügel. Am höchsten Punkt finden sich die Kirche St.Johannes Evangelist und das Pfarrhaus. Am Burgweiher gelegen ist das Dorfge-meinschaftshaus, die sogenannte „Burg“ aus dem Jahre 1634.

Von fast 50 landwirtschaftlichen Betrieben sind nach dem Strukturwandel 5 Betriebe, vor allem in den Ortsteilen Lenatweiler und Michelberg, übriggeblieben.

Über 10 Handwerksbetriebe mit bis zu 5 Mitarbeitern prägen das Gewerbe in unserer Ort-schaft. Der letzte Dorfladen schloss 1996, ein örtlicher Getränkemarkt 2007 und auch die letzte von 3 Gastwirtschaften stellte den Betrieb 2011 ein. Zur Mitte des Jahres wird auch die Bad Waldseer Bank ihre Filiale schließen. Das Sportheim des SCM (Sportclub Michel-winnaden) übernimmt teilweise und in beschränktem Ausmaß die Aufgabe einer Dorfwirt-schaft. Die Bäckerei aus Bad Waldsee, die bisher am Samstagmorgen einen Verkaufsstand in der Bushaltestelle bereitstellt, wird auf Ende April 2016 die Produktion einstellen.

Großen Gemeinschaftssinn bewies die Ortschaft beim Ausbau der DS- Leitung: Mit Unter-stützung der Frauenhoffer Stiftung konnte in Zusammenarbeit mit der Ortschaft Haisterkirch als Projekt „Haisterwinnaden“ innerhalb von 3 Monaten der von der Telekom geforderte Abmangelbetrag in Höhe von 150.000 Euro als Spenden gesammelt werden.

Das Fehlen jeglicher öffentlichen Nahverkehrsmittel, die Schulbuslinie ausgenommen, war für die engagierte Bürgerschaft und die Ortschaftsverwaltung Anlass, konsequent an der Umsetzung der Radwegplanung aus dem Jahr 1996 zu arbeiten. Diese Radwegverbindung nach Bad Waldsee konnte, nicht zuletzt dank dem Engagement der Radinitiative Michelwinnaden, im Jahr 2012 realisiert werden und wird sowohl von Schülern als auch von Berufstätigen, Kurgästen und Radwanderern noch besser als erwartet frequentiert.

Diese positiven Impulse der Dorfgemeinschaft bewegten den Ortschaftsrat das Projekt „Dorfentwicklung Michelwinnaden“ mit dem Motto “Gemeinsam geht’s leichter“ durchzuführen. Ziel war es um eine bürgernahe und zukunftsorientierte Entwicklung unter breiter Beteiligung und Einbeziehung der Bürger für die Dorfgemeinschaft anzustossen. Am Anfang stand eine Umfrage unter den Einwohnern im Frühjahr 2013,die einen Rücklauf von annähernd 50% der Haushalte erreichte und deren Ergebnisse im Einzelnen

Mit den Anregungen der Einwohner als Anhang beigefügt sind. Hier ging als wichtigster Zukunftsaspekt die Nahversorgung hervor. Bei der Vorstellung der Ergebnisse der Umfrage Ende 2013 bildeten sich spontan drei Arbeitsgruppen, die seither auf den Gebieten Kultur, Verkehr bzw. Nahversorgung aktiv sind.

Die Arbeitsgruppe Nahversorgung informierte sich in der Folge bei mehreren Fahrten von Ulm über Rottweil bis Wangen bei mehr als 12 Dorfläden über die jeweiligen Organisations-formen, Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Projekte und die wirtschaftlichen Ergebnisse .Bei mehr als 20 Treffen wurden durch die zehn Beteiligten der Gruppe Schritt für Schritt die Möglichkeiten der räumlichen und finanziellen

Umsetzung ausgelotet. Verschiedene Alternativen wurden gegeneinander abgewogen.

Ergebnis war, das mit dem Projekt sowohl der älter werdenden Bevölkerung in der Ortschaft selbst wie auch den umliegenden Ortsteilen Lenatweiler,Michelberg,Lippertsweiler und im LK Biberach Hervetsweiler sowie Winterstettendorf eine wohnortnahe Versorgung mit Produkten des täglichen Bedarfes angeboten werden soll, das durch kürzere Wege bzw. die fußläufige Entfernung das Auto

weniger oft zum Einsatz kommen muss und somit der Co2 Austoß nachhaltig gesenkt werden kann. Michelwinnadener Dorfladenprojekt als genossenschaftliches Projekt unter Einbindung möglichst vieler Einwohner und sowohl als Versorgungsschwer-punkt als auch als Treffpunkt fungieren soll.

Bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten fiel der Blick auf das frühere Raiffeisen-gebäude. Nach Gesprächen mit den Vorständen der Leutkircher Bank als Eigentümerin des Gebäudes, in dem noch bis zur Jahresmitte 2016 die Bankfiliale Michelwinnaden ihren Sitz hat, ergibt sich die Möglichkeit, diese Räume als Dorfladen umzunutzen. Durch äußerst günstige Konditionen wird die Bank das Projekt aktiv unterstützen.

Für unsere Ortschaft soll durch das Projekt Nahversorgung eine Anlaufstelle für weite Teile der Bevölkerung geschaffen werden, durch die genossenschaftliche Betriebsform ein hoher Grad der Kundenbindung erreicht werden und für die Erzeuger von lokalen Produkten eine Vermarktungs-möglichkeit geboten werden.

Weitere Vernetzungen sind durchaus erwünscht und vorstellbar, als Beispiel sei hier eine als Ausgleichsmaßnahme für den Bau des Radweges Michelwinnaden - Bad Waldsee angelegte Streuobstwiese genannt. Der dort erzeugte Apfelsaft könnte, ebenso wie die geräucherten Forellen des Fischereivereines, die Kartoffeln der örtlichen Landwirte, das Mehl aus der Mühle im Nachbarort und Imkerprodukte aus Michelwinnaden den Dorfladen bereichern.

Ein geplanter barrierefreier Zugang würde allen Einwohnern den Zugang zum geplanten Bankterminal der Leutkircher Bank und dem Paketshop ermöglichen. Auch die elf örtlichen Vereine, die die zahlreichen Feste in der „Burg“ bewirten, sollen ebenso wie der Kinder-garten die Möglichkeit bekommen, ihre Getränke und sonstigen Bedarf vor Ort einzukaufen.

Immerhin sechs 450-Euro-Arbeitsplätze sind angedacht, um die geplanten Öffnungszeiten mit fachkundigem Personal abzudecken. Die Öffnungszeiten sollen sowohl den Bedürfnissen der Schüler als auch der älteren Generation und der Berufstätigen gerecht werden.

Die Einrichtung einer gemütlichen Kaffeeecke wäre als Begegnungsmöglichkeit der Michelwinnadener sowie der Besucher, Spaziergänger und Radfahrer eine immer wieder nach-gefragte willkommene Zwischenstation.

Aufgrund der fundierten Vorarbeiten der Gruppe, der vorliegenden gutachterlichen Stellungnahme der Firma Imakomm und der auch vom Genossenschaftsverband überprüften Wirtschaftlichkeitsberechnung ist der geplante Dorfladen ein tragfähiges Projekt, das unser Dorf weiter stärkt, den Zusammenhalt fördert, dem demographischen Wandel Rechnung trägt und in eine Zukunft weist, die das „Leben auf dem Lande“ mit kurzen Wegen und lokalen Produkten, neuen Arbeitsplätzen und Raum für Begegnung für Alt und Jung noch attraktiver macht.

Eine Förderung des genossenschaftlichen Projektes durch das Leaderprogramm Mittleres Oberschwaben wird für unser Dorf einen Schritt ermöglichen, der allen Einwohnern, vom Kindergartenkind bis zum älteren Mitbürger, zugutekommt. Ein Schritt, der dazu beiträgt, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und einer Aktion von Bürgern für Bürger zum Erfolg zu verhelfen.